{"id":20,"date":"2022-08-28T01:07:53","date_gmt":"2022-08-27T23:07:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.eleworks.de\/?p=20"},"modified":"2022-10-06T23:54:05","modified_gmt":"2022-10-06T21:54:05","slug":"a-paradise-for-holiday","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.eleworks.de\/?p=20","title":{"rendered":"Zu: Urlaub"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Holidays are everyones little Paradise<\/h1>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Die Erfindung der Ferien: Geschichte einer wunderbaren Zeit<\/h4>\n\n\n\n<p>Einige Wochen im Jahr Pause von der Arbeit und dem Alltag machen: Was f\u00fcr uns heutzutage selbstverst\u00e4ndlich ist, war f\u00fcr Menschen bis vor 200 Jahren noch undenkbar. \u00dcber die Etablierung bezahlter Urlaubstage und erste begehrte Reiseziele.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis Mitte des 19. Jahrhunderts konnten sich gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung keine Auszeit leisten. Die Mittel der Arbeiter waren begrenzt, einen&nbsp;Urlaubsanspruch&nbsp;gab es nicht und bezahlte&nbsp;Ferientage&nbsp;erst recht nicht. Trotzdem konnte sich die Idee von Ferien nach und nach durchsetzen. Und Bayern war schon damals ein beliebtes Reiseziel: Reiche M\u00fcnchner genossen die sch\u00f6nsten Tage des Jahres in ihren selbst erbauten Sommervillen am Starnberger See, weniger Wohlhabende reisten auch aus entfernteren Regionen auf die Alm nach Aschau oder an den&nbsp;Staffelsee nach Murnau. Sp\u00e4ter kamen andere Ziele hinzu.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Urlaub &#8211; anfangs ein Privileg f\u00fcr wenige<\/h4>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8222;<em>Im neunzehnten Jahrhundert wird der Urlaub als Lebensstil erfunden&#8220;, Christopher G\u00f6rlich, freiberuflicher Historiker aus M\u00fcnster<\/em>&#8222;<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das hie\u00df aber noch lange nicht, dass gleich jeder daran teilhaben konnte. Urlaub machen und erst recht das&nbsp;Reisen&nbsp;war bis Anfang des 20. Jahrhunderts denen vorbehalten, die Zeit und Geld daf\u00fcr \u00fcbrig hatten. Reiche Adelige \u00fcbersommerten traditionell auf ihren Landg\u00fctern oder auch mal in einem Kurbad &#8211; der Geselligkeit und der Gesundheit wegen. Aber auch Staatsbeamte und leitende Angestellte konnten schon vor Einf\u00fchrung eines gesetzlichen Urlaubsanspruchs zumindest unbezahlte Ferientage bekommen. Kaufleuten war es sowieso m\u00f6glich, dann und wann freizumachen &#8211; soweit es ihre Gesch\u00e4fte eben zulie\u00dfen. Schulen, Universit\u00e4ten und Gerichte blieben schon Ende des 19. Jahrhunderts den Sommer \u00fcber geschlossen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Der Urlaub als Statussymbol<\/h4>\n\n\n\n<p>Urlaub wurde mehr und mehr zum Statussymbol, er wurde zum Gespr\u00e4chsthema, man konnte mit ihm angeben. In b\u00fcrgerlichen Schichten geh\u00f6rte es bereits vor gut 150 Jahren zum Lebensstandard, jeden Sommer aufs Land zu fahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Um die Ferien ausdehnen zu k\u00f6nnen, hielt man sich meist in Heimatn\u00e4he auf, in Orten mit Eisenbahnanschluss. So konnten die M\u00e4nner in die Stadt zur\u00fcckkehren, um ihrem Beruf nachzugehen, und am Wochenende schnell wieder zur Familie fahren. Die blieb oft wochen- oder sogar monatelang im Gr\u00fcnen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Urlaub gab es f\u00fcr Fabrikarbeiter bis Anfang des 20. Jahrhunderts nicht<\/h4>\n\n\n\n<p>Einfache Fabrikarbeiter konnten von diesem Wandel im gesellschaftlichen Leben zun\u00e4chst nicht profitieren. Sie schufteten Mitte des 19. Jahrhunderts an sechs Tagen die Woche 16 Stunden lang und litten unter dem Dreck und L\u00e4rm der Gro\u00dfstadt, bekamen aber keinen Urlaub.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Brauereiarbeiter setzen 1903 ersten Urlaubsanspruch durch<\/h4>\n\n\n\n<p>Das \u00e4nderte sich erst im Jahr 1903. Damals setzten Brauereiarbeiter als erste Arbeitergruppe per Tarifvertrag einen bezahlten Urlaubsanspruch durch. Sie erhielten drei Tage im Jahr. Manche Arbeitgeber gew\u00e4hrten ihren Arbeitern freiwillig zwischen drei und sechs Tage Urlaub &#8211; dann aber meist unbezahlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst in den 1920er-Jahren gelang es den Gewerkschaften, einen Urlaubsanspruch bei vollem Lohn f\u00fcr Arbeiter zumindest in Ans\u00e4tzen durchzusetzen. Diesen hatte ein SPD-Abgeordneter schon 1912 im Reichstag gefordert. Mehr als eine Sonntagswanderung zu einer Kaffeewirtschaft im Gr\u00fcnen, ein Tag am&nbsp;Badesee&nbsp;oder ein Ausflug zum Rummel war aber zur Erholung f\u00fcr die meisten noch nicht drin.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Bis zum Ende der Weimarer Republik gab es drei, vier Tage Urlaub<\/h4>\n\n\n\n<p>Bis zum Ende der Weimarer Republik im Jahr 1933 gab es f\u00fcr Arbeiter dann drei, vier Tage bezahlten Urlaub. Gewerkschaften, die Bildungsorganisation der SPD und eigens zu diesem Zweck gegr\u00fcndete Touristenvereine organisierten preisg\u00fcnstige Kurzreisen an den Rhein oder zu den Ostseeb\u00e4dern. Gewerkschaften bauten eigene Ferienheime &#8211; oft mit tatkr\u00e4ftiger Hilfe ihrer Mitglieder. Und auch kommerzielle Reiseveranstalter, wie zum Beispiel das &#8222;Amtliche Bayerische Reiseb\u00fcro&#8220;, stellten sich mit g\u00fcnstigen Angeboten auf die neuen Kunden ein.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Der erste Reiseboom und sein Ende in der Weltwirtschaftskrise<\/h4>\n\n\n\n<p>Ende der 1920er-Jahre konnte sich nicht nur das wohlhabende B\u00fcrgertum weite Reisen leisten. Selbst f\u00fcr B\u00fcroangestellte und gutverdienende Facharbeiter waren Reisen nach Tunesien,&nbsp;Paris&nbsp;oder die Riviera nun finanziell machbar. Dank des Konkurrenzdrucks zwischen den Hotels gab es \u00dcbernachtungen in Grandhotels, die zuvor nur wohlhabendem Publikum offen standen, zum Schn\u00e4ppchenpreis. So waren sie auch f\u00fcr Menschen mit kleinerem Geldbeutel erschwinglich. Das \u00e4nderte sich erst mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929. F\u00fcr die meisten bedeutete die Krise gleichzeitig das Ende des Reisens.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Urlaub in der NS-Zeit<\/h4>\n\n\n\n<p>Mit der Macht\u00fcbernahme Hitlers kam der zweite Einschnitt: Im Mai 1933 st\u00fcrmten SA-Trupps die Gewerkschaftsh\u00e4user, die Gewerkschaften wurden aufgel\u00f6st und ihr Eigentum beschlagnahmt &#8211; einschlie\u00dflich der Ferienheime. Ende des Jahres wurde die Nationalsozialistische Gemeinschaft &#8222;Kraft durch Freude&#8220;, kurz KdF, gegr\u00fcndet und der Deutschen Arbeitsfront, der nationalsozialistischen Arbeitnehmerorganisation, angegliedert.<\/p>\n\n\n\n<p>Urlaub sollte damit nicht mehr nur der Erholung dienen. Er war von nun an Teil der Ideologie. Ziel war es, mit dem vielf\u00e4ltigen Freizeitangebot die Bev\u00f6lkerung an die NSDAP zu binden. Das geschah einerseits mit g\u00fcnstigen Reiseangeboten, mit denen vor allem regimekritische Arbeiter von den Vorz\u00fcgen der NSDAP \u00fcberzeugt werden sollten. Andererseits wurden aber auch lukrative Reisen gezielt als Belohnung und Ansporn an regimetreue Arbeiter vergeben, oft sogar kostenlos und mit Extra-Urlaubstagen. Je attraktiver das Angebot, desto h\u00f6her war auch der Anteil von Angestellten und Parteifunktion\u00e4ren. Am begehrtesten und in ihrer Propagandawirkung unbezahlbar waren die&nbsp;Hochseekreuzfahrten.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Das Sauerland &#8211; beliebtes Reiseziel im Zweiten Weltkrieg<\/h4>\n\n\n\n<p>Der Anteil der KdF-Reisen am gesamten deutschen Fremdenverkehr lag aber nur bei ungef\u00e4hr zehn Prozent. Die meisten Urlaubsreisen organisierten die Deutschen auch im Dritten Reich selbst oder buchten sie bei&nbsp;kommerziellen Reiseveranstaltern. Die j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung war davon nahezu ausgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen regelrechten Touristenansturm verzeichnete w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs das Sauerland. Das lag daran, dass sich viele Menschen aus dem dicht besiedelten Ruhrgebiet f\u00fcr ein paar Tage von den Bombenangriffen und von der Arbeit erholen wollten. Sie reisten ins nahegelegene Sauerland. Bis zu zweitausend Prozent sei der Tourismus dort damals angestiegen, verr\u00e4t der Historiker Christopher G\u00f6rlich.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das NS-Regime wurde dieser Reiseboom zum Problem. Schlie\u00dflich brauchten sie die Z\u00fcge f\u00fcr die Wehrmacht und die Hotels der Ferienorte als Soldatenquartiere und Lazarette. Reiseverbote wurden erlassen und Plakate mit der Aufschrift aufgeh\u00e4ngt: &#8222;Erst siegen, dann reisen!&#8220; Doch beides fruchtete nicht.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ruhpolding und Italien: Traumziele der Deutschen in den 1950ern<\/h4>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" data-src=\"https:\/\/staging.eleworks.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Erfindung-des-Urlaub.jpeg\" alt=\"\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" class=\"lazyload\" style=\"--smush-placeholder-width: 1024px; --smush-placeholder-aspect-ratio: 1024\/576;\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Auch im Westen rollten nach dem Zweiten Weltkrieg schon bald wieder die Ferienz\u00fcge. Um 1950 war das Traumziel f\u00fcr&nbsp;Pauschalurlauber&nbsp;aus den Tr\u00fcmmerst\u00e4dten Ruhpolding. Dort entwickelte sich eine Fr\u00fchform des &#8222;Ballermann&#8220;-Tourismus: Bei Blasmusik im Kurhaus floss das Bier in Str\u00f6men, und alleinreisende Touristinnen flirteten mit bajuwarischen &#8222;Saisongockeln&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Als das Wirtschaftswunder in Schwung kam, reisten die Deutschen mit dem eigenen Kleinwagen zun\u00e4chst nach Italien und hielten f\u00fcr den Rest des Jahres ihre Urlaubserinnerungen mit Dosenravioli und Italienschlagern wach. Sp\u00e4ter ging&#8217;s f\u00fcr viele erst mit dem&nbsp;Billigflieger&nbsp;ab nach Spanien, dann waren auch schon bald exotischere Ziele erreichbar und bezahlbar.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Quelle<\/h6>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\"><em>Ein radioWissen-Feature von Ulrike R\u00fcckert<\/em><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einige Wochen im Jahr Pause von der Arbeit und dem Alltag machen: Was f\u00fcr uns heutzutage selbstverst\u00e4ndlich ist, war f\u00fcr Menschen bis vor 200 Jahren noch undenkbar. \u00dcber die Etablierung bezahlter Urlaubstage und erste begehrte Reiseziele.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":469,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,41],"tags":[11,13,14,15,10,9],"class_list":["post-20","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-freizeit","tag-ferien","tag-freizeit","tag-geschichte","tag-massentourismus","tag-reisen","tag-urlaub"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/staging.eleworks.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/staging.eleworks.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/staging.eleworks.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.eleworks.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.eleworks.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=20"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/staging.eleworks.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.eleworks.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/469"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/staging.eleworks.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=20"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.eleworks.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=20"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.eleworks.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=20"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}