{"id":17,"date":"2022-08-28T01:07:53","date_gmt":"2022-08-27T23:07:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.eleworks.de\/?p=17"},"modified":"2022-08-29T20:36:42","modified_gmt":"2022-08-29T18:36:42","slug":"coffee-is-health-food-myth-or-fact","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.eleworks.de\/?p=17","title":{"rendered":"Coffee is health food: Myth or fact?"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wie viel Kaffee ist okay?<\/h4>\n\n\n\n<p>\u201eAuch wenn Kaffee vielen Menschen gut tut, medizinisch und pharmakologisch ist Koffein eine Droge\u201c, sagt Hartmut G\u00f6bel, Facharzt f\u00fcr Neurologie an der Schmerzklinik Kiel \u2013 wenn auch eine sozialvertr\u00e4gliche.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Europ\u00e4ische Beh\u00f6rde f\u00fcr Lebensmittelsicherheit, kurz EFSA, hat 2015 eine Risikobewertung f\u00fcr Koffein durchgef\u00fchrt. Das Resultat: Eine Einzeldosis von 3 mg pro Kilogramm K\u00f6rpergewicht sei unbedenklich. Das bedeutet, dass eine Frau mit einem Gewicht von 60 Kilo 180 Milligramm Koffein als Einzeldosis zu sich nehmen k\u00f6nnte. Davon ist eine Tasse Kaffee aber weit entfernt: Sie enth\u00e4lt je nach St\u00e4rke zwischen 30 und 100 Milligramm Koffein.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr als 400mg Koffein sollten es laut EFSA aber generell nicht \u00fcber den Tag verteilt sein. Das entspricht in etwa 4,5 Tassen Kaffee.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Kardiologen sind drei bis f\u00fcnf Tassen am Tag okay. Das verringert das Risiko, Herzkreislauf-Erkrankungen zu bekommen \u2013 beispielsweise Durchblutungsst\u00f6rungen, Schlaganfall oder Herzinfarkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Laut des Statistischen Bundesamts wurden im Jahr 2020 im Schnitt 168 Liter Kaffee getrunken \u2013 das entspricht einem knappen halben Liter am Tag.<\/p>\n\n\n\n<p>Frauen, die stillen, sollten am Tag laut EFSA maximal 200 mg Koffein zu sich nehmen. Das gilt auch f\u00fcr Schwangere, wichtig hier: Die Koffeinmenge sollte sich auch \u00fcber den Tag verteilen. Sonst besteht die Gefahr, dass der F\u00f6tus schlechter w\u00e4chst.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Was ist Koffein?<\/h4>\n\n\n\n<p>Mehr als 1000 Inhaltsstoffe von Kaffee sind mittlerweile identifiziert. Koffein ist nicht nur der bekannteste, sondern auch der wirksamste. Chemisch gesehen geh\u00f6rt Koffein zu den Alkaloiden \u2013 und wird pharmakologisch und medizinisch als Droge eingestuft. Es wirkt stimulierend und ist damit quasi ein legales Aufputschmittel, das die Konzentration und die k\u00f6rperliche Leistung steigern kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon seit Jahrhunderten trinken Menschen Getr\u00e4nke mit Koffein. Er ist nicht nur ein nat\u00fcrlicher Bestandteil in Kaffee-, sondern auch in Kakaobohnen. Er befindet sich in<br>Teebl\u00e4ttern, Guarana-Beeren und Kolan\u00fcssen. Au\u00dferdem wird Koffein zum Teil auch Arzneimitteln, Kosmetikprodukten und Lebensmitteln (zum Beispiel Eis, S\u00fc\u00dfigkeiten, Getr\u00e4nken) k\u00fcnstlich zugesetzt.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wie wirkt Koffein?<\/h4>\n\n\n\n<p>Etwa 15 bis 30 Minuten dauert es, bis Koffein im K\u00f6rper wirkt. Von Magen und D\u00fcnndarm aus gelangt es ins Blut, verteilt sich im gesamten K\u00f6rper \u2013 und landet auch im Gehirn. Denn Koffein passiert die Blut-Hirn-Schranke. Abgebaut wird der Stoff nach einigen Stunden in der Leber und dann \u00fcber die Nieren wieder aus dem K\u00f6rper ausgeschieden.<\/p>\n\n\n\n<p>Und jetzt konkret: Koffein funktioniert als Wachmacher, weil es ein Molek\u00fcl blockiert, das m\u00fcde macht \u2013 das Adenosin. Weil sich die beiden Molek\u00fcle \u00e4hneln, kann Koffein im Gehirn die Adenosin-Rezeptoren besetzen. Und so verhindern, dass der K\u00f6rper M\u00fcdigkeitssignale erh\u00e4lt. Dieser Effekt kann ein bis zwei Stunden anhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig&nbsp;<strong>stimuliert<\/strong>&nbsp;Koffein das zentrale Nervensystem. Es sorgt daf\u00fcr, dass auch die Hormone Adrenalin und Cortisol vermehrt ausgesch\u00fcttet werden \u2013 Stresshormone, die den K\u00f6rper zum Beispiel bei Gefahr sch\u00fctzen. Sie aktivieren Schutzmechanismen des K\u00f6rpers: Verengen die Blutgef\u00e4\u00dfe, lassen den Blutdruck steigen, auch die Sauerstoffversorgung der Zellen verbessert sich. Das gesamte Herzkreislaufsystem wird angeregt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Konsequenz: Der K\u00f6rper wird wachsamer und leistungsf\u00e4higer, wir k\u00f6nnen uns besser konzentrieren und f\u00fchlen uns fitter.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings entwickelt der K\u00f6rper bei Menschen, die regelm\u00e4\u00dfig viel Kaffee trinken, mehr Andockpl\u00e4tze f\u00fcr das Molek\u00fcl Adenosin \u2013 der Effekt, dass Kaffee einen wach macht, schw\u00e4cht sich dann ab.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Was passiert bei Koffeinentzug?<\/h4>\n\n\n\n<p>Koffeinentzug kann typische Entzugserscheinungen hervorrufen. Zw\u00f6lf bis 24 Stunden nach der letzten Tasse Kaffee reagiert der K\u00f6rper am st\u00e4rksten \u2013 mit M\u00fcdigkeit oder Kopfschmerzen. Die Konzentration f\u00e4llt schwerer, man hat weniger Energie. Der Grund: Es gibt auf einmal sehr viele freie Rezeptoren f\u00fcr das Adenosin.<\/p>\n\n\n\n<p>Setzt man das Koffein ab, so tritt eine Art Rebound-Effekt auf, die Sauerstoffversorgung der Zellen verschlechtert sich.&nbsp;<strong>Nach ein bis zwei Tagen hat sich der K\u00f6rper vom Kaffeeentzug erholt.<\/strong>&nbsp;Denn Koffein kann zwar abh\u00e4ngig machen, aber l\u00e4ngst nicht so stark wie Alkohol, Nikotin oder harte Drogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab und zu auf Kaffee zu verzichten, kann sinnvoll sein. Denn der K\u00f6rper reagiert auf die regelm\u00e4\u00dfige Zufuhr von Koffein und bildet sogar mehr Adenosin-Rezeptoren aus. Hei\u00dft: Je mehr Koffein wir regelm\u00e4\u00dfig zu uns nehmen, desto schlechter wirkt es. Oder andersrum gesagt: Wer seltener Kaffee trinkt, profitiert st\u00e4rker vom Wachmacher-Effekt als Dauer-Kaffeetrinker:innen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Was ist in Kaffee?<\/h4>\n\n\n\n<p>Nicht alle Inhaltsstoffe sind bis heute entschl\u00fcsselt \u2013 aber inzwischen sind mehr als 1.000 Inhaltsstoffe bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Koffein ist zwar der bekannteste, der am besten untersucht ist \u2013 aber auch nicht der einzige, der eine Wirkung hat: In Kaffee gibt es beispielsweise auch verschiedene Vitamine, aber auch Mineralstoffe, Kalzium, Kalium, Magnesium und Phosphor.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Warum reagieren wir unterschiedlich auf Kaffee?<\/h4>\n\n\n\n<p>Forschende der Northwestern University in Illinois konnten zeigen:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41598-018-34713-z\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Warum Kaffee bei manchen besser wirkt als bei anderen, h\u00e4ngt auch von den Genen ab.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Offenbar trinken demnach vor allem die Menschen mehr Kaffee, die Bitterstoffe im Koffein st\u00e4rker schmecken als der Durchschnitt. Ein Ergebnis, das erst einmal paradox klingt \u2013 und auch die Forschende \u00fcberrascht hat: \u201eMan w\u00fcrde erwarten, dass Menschen, die besonders empfindlich auf den bitteren Geschmack von Koffein reagieren, weniger Kaffee trinken w\u00fcrden\u201c, sagt Marilyn Cornelis, die an der Studie mitgewirkt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Cornelis und ihre Kolleg:innen&nbsp;zeigen die Ergebnisse, dass gerade die Menschen, die Bitterstoffe von Koffein besonders intensiv wahrnehmen, die positiven Eigenschaften von Koffein mehr zu sch\u00e4tzen wissen. Sie haben offenbar gelernt, dass Kaffee gut tut \u2013 so wie man zum Beispiel auch ein bitteres Medikament akzeptiert. Denn eigentlich sind Bitterstoffe f\u00fcr den K\u00f6rper ein Warnsignal.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h5>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><em>G\u00f6bel, Hartmut (Facharzt f\u00fcr Neurologie an der Schmerzklinik Kiel)<\/em><\/li><li><em>Smollich, Martin (Institut f\u00fcr Ern\u00e4hrungsmedizin der Uniklinik L\u00fcbeck)<\/em><\/li><li><em><a href=\"https:\/\/www.science.org\/doi\/10.1126\/scitranslmed.aac5125\">Burke, Tina M: Effects of caffeine on the human circadian clock in vivo and in vitro, Science Translational Medicine, 2015<\/a><\/em><\/li><li><em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/mobil.bfr.bund.de\/cm\/343\/fragen-und-antworten-zu-koffein-und-koffeinhaltigen-lebensmitteln-einschlie%C3%9Flich-energy-drinks.pdf\" target=\"_blank\">Bundesinstitut f\u00fcr Risikobewertung: Fragen und Antworten zu Koffein und koffeinhaltigen Lebensmitteln, einschlie\u00dflich Energy Drinks, 2015 (<abbr title=\"\">PDF<\/abbr>)<\/a><\/em><\/li><li><em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.iarc.fr\/\" target=\"_blank\">Internationale Agentur f\u00fcr Krebsforschung der WHO<\/a><\/em><\/li><li><em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.bfr.bund.de\/cm\/343\/koffeinhaltige-lebensmittel-aus-sicht-der-risikobewertung.pdf\" target=\"_blank\">Ehlers, Anke: Koffeinhaltige Lebensmittel aus Sicht der Risikobewertung (Fortbildungspr\u00e4sentation f\u00fcr den \u00d6ffentlichen Gesundheitsdienst des Bundesinstituts f\u00fcr Risikobewertung, April 2016) (PDF)<\/a><\/em><\/li><li><em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/annals.org\/aim\/article-abstract\/2643435\/coffee-drinking-mortality-10-european-\" target=\"_blank\">Gunter, Marc J et al: Coffee Drinking and Mortality in 10 European Countries: A Multinational Cohort Study, Annals of Internal Medicine, 2017<\/a><\/em><\/li><li><em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.thelancet.com\/journals\/lanonc\/article\/PIIS1470-2045(16)30239-X\/fulltext\" target=\"_blank\">Loomis, Dana: Carcinogenicity of drinking coffee, mate, and very hot beverages, The Lancet, 2016<\/a><\/em><\/li><li><em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/epdf\/10.1002\/ijc.32220\" target=\"_blank\">Islami, Farhad et al.: A prospective study of tea drinking temperature and risk of esophageal squamous cell carcinoma, International Journal of Cancer, 2019<\/a><\/em><\/li><li><em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41598-018-34713-z\" target=\"_blank\">Ong Jue-Sheng et al.: Understanding the role of bitter taste perception in coffee, tea and alcohol consumption through Mendelian randomization, Nature, 2018<\/a><\/em><\/li><li><em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/npp201071\" target=\"_blank\">Rogers, Peter J et al.: Association of the Anxiogenic and Alerting Effects of Caffeine with ADORA2A and ADORA1 Polymorphisms and Habitual Level of Caffeine Consumption, Nature, 2010<\/a><\/em><\/li><li><em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC2738587\/\" target=\"_blank\">Sigmon, Stacey C et al.: Caffeine withdrawal, acute effects, tolerance, and absence of net beneficial effects of chronic administration: cerebral blood flow velocity, quantitative EEG and subjective effects, Psychopharmacology, 2009<\/a><\/em><\/li><li><em><a href=\"https:\/\/www.nejm.org\/doi\/full\/10.1056\/NEJMra1816604\">van Dam, Rob M. et al: Coffee, Caffeine, and Health, The NEW ENGLAND JOURNAL of MEDICINE , 2020&nbsp;<\/a><\/em><\/li><li><em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.efsa.europa.eu\/sites\/default\/files\/corporate_publications\/files\/efsaexplainscaffeine150527de.pdf\" target=\"_blank\">EFSA erkl\u00e4rt Risikobewertung: Was ist Koffein? (Europ\u00e4ische Beh\u00f6rde f\u00fcr Lebensmittelsicherheit, 2015) (PDF)<\/a><\/em><\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eAuch wenn Kaffee vielen Menschen gut tut, medizinisch und pharmakologisch ist Koffein eine Droge\u201c, sagt Hartmut G\u00f6bel, Facharzt f\u00fcr Neurologie an der Schmerzklinik Kiel \u2013 wenn auch eine sozialvertr\u00e4gliche.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":205,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[40],"tags":[18,19,20,21],"class_list":["post-17","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-food","tag-coffee","tag-kaffee","tag-koffein","tag-koffeinentzug"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/staging.eleworks.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/staging.eleworks.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/staging.eleworks.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.eleworks.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.eleworks.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=17"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/staging.eleworks.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.eleworks.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/205"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/staging.eleworks.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=17"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.eleworks.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=17"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.eleworks.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=17"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}